BEI ENRIQUE - ZIEGENHIRTE AUS ÜBERZEUGUNG

Den Weg zu Enrique zeigt kein Navi an. „Im Dorf die dritte Straße rechts, dann bis zum Ende, dann links, dann immer den Weg entlang und die nächste Gabelung links. Dann kommt auf der rechten Seite eine Palme, da müsst ihr wieder links, den Schotterweg nehmen und dann nochmal über die Brücke ...“

So Enriques Beschreibung am Telefon. Schon nach der zweiten Notiz glauben wir, uns verfahren zu haben. Zum Glück treffen wir einen Mann, der erst ungläubig auf unser Berliner Nummernschild schaut und dann auf den Bus. Man kann seine Gedanken förmlich hören: „Was in Gottes Namen machen diese beiden Mädels hier?“ Doch als Vanessa in fließendem Spanisch fragt, ob er Enrique den Ziegenhirten kennt, lächelt er und erklärt uns geduldig den Weg.

Als wir ankommen, ist Enrique gerade dabei, die Herde einzutreiben. Oder besser gesagt, seine Hündin Abril. Wir schauen zu und staunen, wie sie aufs Wort genau die Ziegen von der Weide nach vorn geleitet. Büxt eine aus, holt Abril sie achtsam zurück. Enrique ist sichtlich stolz auf seine Hündin und erzählt uns, dass sie beide jedes Jahr an verschiedenen Hüte-Wettbewerben teilnehmen.

Enrique ist ein charismatischer Mann, braun gebrannt mit breitkrempigem Hut und strahlenden Augen. Man spürt die Leidenschaft und Hingabe für seinen Beruf in jedem Wort. Er weiß alles über seine Tiere. Die Herde sind reinrassige Murciena-Ziegen und strotzen vor Gesundheit. Seine Muttertiere werden sogar bis nach Italien verkauft.

Die Ziegen sind jeden Tag draußen. Neben dem, was sie auf der Weide finden, bekommen sie Nispero- und Kakifrüchte und ein spezielles Eiweißfutter, das zum größten Teil aus Eigenanbau stammt. Eigentlich will Enrique auch auf Soja verzichten, das er derzeit noch zukauft. Aber bisher ist das nicht möglich, sagt er uns. Ihm ist wichtig, dass wir alles wissen – es zählen Aufrichtigkeit und Offenheit.

Einmal am Tag werden die Tiere gemolken. Je nach Jahreszeit sind das 100 – 200 Liter am Tag. Bis vor kurzem hat Enrique noch mit der Hand gemolken, aber inzwischen hat er sich eine Melkmaschine geleistet, weil sonst gar keine Zeit mehr für etwas Anderes bleibt. Die Milch liefert Enrique ausschließlich an Angel von Los Corrales. Mit ihm verbindet ihn eine langjährige Partnerschaft auf Augenhöhe, wie er sagt.

„Er glaubt an den Ökogedanken, auch wenn er damit vielen auf den Geist geht“, sagt Enrique.

Wir glauben auch an ihn und uns geht er gar nicht auf den Geist. Im Gegenteil, wir sind zutiefst berührt und stimmen voll mit seiner Philosophie überein.

BESUCHT von MANU & VANESSA
TEXT & FOTOS MANU