Ein Produzentenbesuch mit Brandt & Levie

Ich stehe neben einem kleinen Blumenstand an einer Straße in der schönen Altstadt de Pijp in Amsterdam und warte auf Geert, Mitgründer von den "Worstmakers Brandt & Levie". Erstaunliche viele Leute halten hier kurz an, um Blumen zu kaufen.  Ich gehe in ein gemütliches französisches Café nebenan um Kaffee für die Autofahrt und ein Croissant für Oscar, Geert’s (...jährigen) Sohn zu besorgen. Dann kommt auch schon Geert. Wie alle anderen, geht er direkt zum Blumenstand und kauft erst mal Blumen. Die sind für Marianne, die Mutter von Schweinezüchter Sander Kerkhoffs, dessen Hof wir besuchen möchten. Ich war peinlich berührt, dass ich da nicht selbst dran gedacht hatte.

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Freilandhaltung in den Niederlanden

Auf der Autofahrt erzählt mir Geert bereits, dass Sander einer der ersten Schweinebauern in den Niederlanden war, der die Tiere in kompletter Freilandhaltung gehalten hat „People came to see it, because they never have seen pigs outdoors before!“ so Geert. Für "Brandt & Levie" stand fest, dass wenn sie Salami in Amsterdam produzieren wollen, es von Schweinefleisch aus der besten Tierhaltung kommen soll. Geschmack und Tierhaltung gehen Hand in Hand. „For us organic is the minimum!“ 

„The way our small producers hold their animals and what they feed them with is actually much better than most of the „bio-guidelines“, but there are not enough of such great suppliers yet and organic-shops still want a certificate.“

Ein Kindheitstraum in die Realität umgesetzt

 Geert mit Sander's Vater Hein

Geert mit Sander's Vater Hein

Wir fahren von der Autobahn ab. Es zeigt sich ein für die Niederland typisches Landschaftsbild mit sattgrünen Feldern und Wiesen, kleinen Wasser-Gräben, großen langen Bäumen an Straßenrändern, die an die Toskana erinnern. Weiter geht es auf einer schmalen, kleinen, ruckeligen Landstraße und kurz vor Sander’s Hof sehen wir am Straßenrand Hühner im hohen Gras picken.  

Marianne und Hein, die Eltern von Sander, begrüßen uns herzlich. Sander selbst befindet sich gerade noch im wohlverdienten Urlaub. Mariannes strahlendes Lachen gibt mir sofort das Gefühl herzlich Willkommen zu sein. Es gibt erst einmal Kaffee und Kekse im Garten vor der Weide, wo Schafe und Hühner zusammen picken und grasen.

Hein hat früher als Anwalt gearbeitet und Marianne als Lehrerin. Sie selber hatten nie einen Landwirtschaftsbetrieb, aber Marianne ist auf dem Bauernhof aufgewachsen. Ihre Brüder und ihre Schwester haben den elterlichen Hof übernommen. Dort waren sie früher oft zu Besuch und ihr Sohn Sander wollte, so erzählen sie, bereits seitdem er ein Kind ist immer nur Bauer werden. Er hat das Leben auf dem Hof geliebt.

„We love to help him, he really wanted this. Thats why we help him. To make his dream come true.“ (Marianne)

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Sander wollte es aber anders machen. Er wollte Schweine in Freilandhaltung halten. Das gab es so schon lange nicht mehr in den Niederlanden. Heute hält er neben den 250 Mastschweinen den Zuchteber Koen“ und fünf Zuchtsäue. Wobei "Koen" nicht unbedingt das Sagen hat bei den fünf Damen, erzählt Marianne mit einem Schmunzeln. Die Mastschweine sind eine Kreuzung zwischen den beiden Robustrassen Bunten Bentheimer und Duroc. 

Die jüngeren Tiere leben nach Altersgruppen unterteil in großen offenen Ställen. Sie haben viel Stroh und vor allem viel Platz. Die Ställe sind komplett offen und haben lediglich ein Dach. Die ganz jungen Ferkel sind noch lange mit ihren Mutter-Sauen in einem Stall zusammen. In kleinen Hütten können die Schweine sich zurückziehen. 

Marianne lässt mit einem Schlauch „Molke“ in die Futterschalen fließen, die von einer Käserei aus der Umgebung kommt. Die Schweine bekommen viel Gras, Mais, Gemüse sowie Kraftfutter aus Getreide, Vitaminen und Mineralien. Ab einem gewissen Alter kommen die Schweine auf die Weide, wo sie bis zu einem Schlachtalter von 9-10 Monaten bleiben.

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Die Schweine sind sehr entspannt, manche schlafen trotz reichlichen Platzes fast aufeinander, haben glückliche geringelte lange Schwänze und spielen mit dem Stroh oder entspannen sich auf der einst grünen, aber natürlich von ihnen selbst aufgewühlten, Weide. Ein schönes Bild.

FAMILIENTRADITION WAHREN - DIE KÜHE KOMMEN AUF DIE WEIDE

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Marianne nimmt uns anschliessend noch mit zum Hof ihrer Geschwister. Die Kühe kommen heute nach dem Winter das erste mal auf die Weide. Dafür kommt immer die ganze Familie zusammen, von den Großeltern bis zu Enkelkinder. Der Betrieb ist ein klassischer Milchbetrieb mit Sommer-Weidehaltung. Sobald das Tor aufgeht laufen und springen die Kühe in Richtung Weide. Ein schönes Schauspiel. 

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Es war ein langer Tag mit vielen Eindrücken, einer herzlichen Familie, einem tollen Gastgeber Geert und einer super Schweinehaltung! Davon braucht es mehr.

Montag geht es in die Produktionshalle von "Brandt & Levie", zurück in die Stadt, nach Amsterdam. Hier geht es zur Geschichte von "Brandt & Levie".

TEXT & BILDER DESCHNA